Im Rahmen des Projekts „Alt Rehse revisited. Multimediale Geschichtsarbeit im ländlichen Raum“ begrüßte die Projektleitung der Erinnerungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte (EBB) Alt Rehse am 10.06.25 die Schüler*innen der Klasse PFF33. Das Projekt verfolgt das Ziel, neue und innovative Formen der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und ihrer Nachgeschichte zu entwickeln – gemeinsam mit jungen Menschen. Die Jugendliche sollen für mediale, interaktive Formen des Erinnerns gewonnen werden, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern zur Reflexion anregen und zur eigenen Positionierung ermutigen.
Alt Rehse ist ein historisch belasteter Ort – einst Sitz der sogenannten „Führerschule der Deutschen Ärzteschaft“, an der während des Nationalsozialismus Mediziner ideologisch geschult wurden. Für angehende Pflegekräfte bietet dieser Ort eine besondere Gelegenheit, die eigene Berufsidentität im Spannungsfeld von Geschichte, Ethik und Verantwortung zu hinterfragen.
Den Einstieg bildete eine interaktive Gruppenarbeit mit dem Würfelzeitstrahl. Die Jugendlichen rekonstruierten gemeinsam zentrale Ereignisse der deutschen Zeitgeschichte und diskutierten ihre Auswirkungen auf die Gesundheitsberufe. Die Methode förderte sowohl historisches Verständnis als auch einen emotionalen Zugang zu Themen wie Ausgrenzung, Mitläufertum und Verantwortung im System.
In der anschließenden Besichtigung der Dauerausstellung in Eigenregie konnten sich die Teilnehmenden mit Originaldokumenten, Biografien und historischen Fotografien auseinandersetzen. Die Ausstellung bietet vertiefte Einblicke in die Geschichte der NS-Medizin, die Ideologisierung der Heilberufe und die spezifische Rolle von Alt Rehse in diesem Kontext.
Ein Highlight des Tages war der interaktive, app-basierte Rundgang durch das Dorf Alt Rehse. Über die App „Actionbound“ erhielten die Jugendlichen Zugang zu multimedialen Inhalten. Der digitale Rundgang ermöglichte eine eigenständige, entdeckende Auseinandersetzung mit den Spuren der Vergangenheit im heutigen Ortsbild.
Ein inhaltlicher Schwerpunkt lag auf der Auseinandersetzung mit emotionaler Vergemeinschaftung. In einem moderierten Workshop reflektierten die Jugendlichen über Mechanismen kollektiver Zugehörigkeit und Ausgrenzung – damals wie heute. Gerade in Pflegeberufen, die stark von zwischenmenschlicher Nähe und Empathie geprägt sind, war die Diskussion über emotionale Steuerung durch Ideologie besonders relevant.
Abschließend fand eine gemeinsame Auswertung und Reflexion statt. Die Jugendlichen teilten ihre Eindrücke und diskutierten, inwiefern Geschichte für ihre berufliche Haltung heute Bedeutung hat. Viele äußerten, dass der Tag in Alt Rehse nicht nur Wissen vermittelt habe, sondern vor allem zum Nachdenken über Verantwortung, Ethik und Zivilcourage angeregt habe.
Das Projekt „Alt Rehse revisited“ zeigt eindrucksvoll, wie multimediale Geschichtsvermittlung im ländlichen Raum junge Menschen erreichen und aktivieren kann – besonders dann, wenn sie mit ihrer eigenen beruflichen Realität in Verbindung gebracht wird.
Text/Bild: Maria Lehnert, Schulsozialarbeiterin




